Ein Transformationszentrum für alle – was soll das sein?

Ein Transformationszentrum für alle ist ein Ort, an dem das Wissen und die Fertigkeiten, die wir für die sozialökologische Transformation brauchen, ein Zuhause bekommen.

Es ist ein Ort, der dem Gemeinwohl gewidmet ist. Ein Ort, an dem die Berufe entstehen, die wir brauchen, um gut, gerecht und gesund miteinander zu leben. Er ermöglicht die Weitergabe von Praxiswissen. Hier entsteht eine Kultur des Miteinanders, die uns das Leben, Lernen und Zusammenarbeiten auf Augenhöhe leicht macht. Ein Transformationszentrum für alle ist ein Ort, an dem Konkurrenz, Ausgrenzung, Ausbeutung und Profitdenken keinen Platz haben, dafür aber durch Besseres ersetzt werden: Inklusion, Selbstorganisation, Gemeinwohl und das Teilen von Wissen und Methoden. Das Wissen und die Verfahren, die hier generiert werden, sind grundsätzlich frei verfügbar.

Ein Transformationszentrum für alle entsteht nicht am Reißbrett oder auf der grünen Wiese, es entsteht auf dem, was schon da ist: Brachflächen, leere und vergessene Industriehallen und Ruinen einer toten und tödlichen fossilen Infrastruktur. Im Transformationszentrum für alle liegt Umwidmung, Kreativität, Neugier und die Suche nach regenerativen Lösungen in der Luft. Jede Stadt und jede Region braucht ein solches Zentrum, das die Menschen vor Ort befähigt, mit den klimatischen Veränderungen zurechtzukommen und ressourcenleicht und klimapositiv zu leben, ihr natürliches Umfeld zu restaurieren. Und jede Region verfügt über (Un)Orte, die nur darauf warten bezogen und belebt zu werden.

  • In Köln hat das Team vom Wandelwerk ein altes leerstehendes Autohaus umgewidmet, um dort eine Fahrradreparaturwerkstatt, den Anbau von Microgreens und Räume für Kultur und Kiezarbeit einzurichten.
  • In Albi hat die Stadt die Ernährungsautarkie in einem Radius von 60 Kilometern zum Ziel erklärt, sie kauft (und vergesellschaftet) Flächen für ökologischen Landbau, bildet aus und schafft die nötige Infrastruktur.
  • In Cleveland hat eine Gruppe von befreundeten Anwohner:innen eine illegale Müllhalde in einen wunderschönen Ort der Gemeinschaft verwandelt: Eine urbane Farm, die erst zum kulturellen Zentrum des ansonsten prekarisierten Viertels wurde, um dann eine ganz neue Kultur von gegenseitiger Hilfe, von Sinn und Würde über selbstorganisierte Nachbarschaftsgestaltung hervorzubringen.
  • In Chicago hat ein transdisziplinäres Team eine alte Fleischverpackungsanlage und ein altes Feuerwehrhaus zu einem Hub für die Kreislaufwirtschaft kleiner Betriebe umgebaut. Dort lernen Interessierte alles über den Anbau verschiedener Lebensmittel in geschlossenen Räumen, über die Chancen einer Kreislaufwirtschaft und die Möglichkeiten einer regenerativen Lebensweise in Städten.
  • Amsterdam hat 2020 entschieden, Europas erstes Labor für Kreislaufwirtschaft zu werden: Das Ziel ist, die Corona-Krise zu nutzen, um aus dem heutigen Produktions- und Konsummuster auszusteigen und der Klimakrise ein konkretes Programm entgegenzusetzen. Die ganze Stadt macht sich auf den Weg in eine regionale Kreislaufwirtschaft.

Das sind nur einige wenige Beispiele – sie zeigen uns, dass es möglich ist.